Fee

Die Tage verliefen ineinander in einer immerwährenden Schleife der Monotonie für die Fee. Morgens öffnete sie die Augen und abends schloss sie sie wieder. Was dazwischen geschah, hatte keinerlei Bedeutung. Alles war leer. Täglich ging sie mit den anderen Feen ihrer Arbeit nach, bis das Tageslicht verschwand. Tagein tagaus führte sie das unbeschwerliche Leben einer Fee. Das Wesen der Feen war äußert höflich; nie brachen sie das Herz eines Anderen, denn sie besaßen ein solches zerbrechliches Herz erst gar nicht. Gefühle und Emotionen traten nie zu Tage. Diese Dinge waren ihnen schlichtweg fremd. Die Natur hatte sie als perfektes Wesen erschaffen, die die Dimension der Emotionen schon längst überschritten hatten. Die kleine Fee aber fühlte sich leer. Der Überdruss an Gutmütigkeit mit der sie in dieser Welt lebte, verstärkte diese Leere. An vereinzelten Tagen schlich sie sich aus dem Wald in die Ferne und betrat die Welt der großen Wesen, welche die Vollkommenheit noch nicht erreicht hatten. Schmerz, Freude, Glückseligkeit, Lug und Trug. Die Welt die da draußen war, war so fremd, doch sie vermochte es die große Leere in ihrem Herzen zu füllen und ihr Verlangen zu stillen. Auf jene Welt hatte sie schon immer gewartet. Und eines Tages verließ sie denn Wald letztendlich und nistete sich in die Welt der großen Wesen ein, fernab dessen was ihr bekannt war. Mit großer Lebenslust verfolgte die kleine Fee jede Neigung der großen Wesen. Ahmte ihnen nach und lebte wie sie bis ein Teil von ihr die Gefühle der großen Menschen nachzuempfinden versuchte. Die großen Wesen merkten alsbald, dass alle Taten der Fee aus Nachahmungen bestanden. Freundschaft, Liebe, Leidenschaft und Genuss waren kostbare Errungenschaften der großen Wesen, doch für die Fee waren das alles Lebensweisen, die sie nie hat vollständig auskosten können und so verschlug die Ablehnung sie nach einer halben Ewigkeit zurück in den Wald. Dort verbrachte sie erneut tagein tagaus ihr steriles Leben, bis die Leere sie erneut einholte. Sodann merkte sie, dass auch diese Welt kein Ort mehr für sie war. Das Leben der großen Wesen hatte sie nun mal schon geprägt. Ihr Hunger wurde im Wald nicht mehr gestillt. So verließ sie auch den Wald und war nun nirgendwo mehr zu Hause.

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Mondschein

Die Nächte verbringe ich auf dem Dach und blicke in die Dunkelheit, bis sie mich gänzlich umschlingt. Ich höre den zipernden Zikaden, umherziehedenen Katzen zu, bis die Nacht sie in die Dunkelheit zieht und nur die Stille übrig blieb. Würde ich meinen eigenen Atem nicht hören, würde ich denken, dass die Dunkelheit ebenso die Zeit verschlungen hat und ich eine Ewigkeit auf  diesem Dach verbringe. Jede Nacht will ich fest daran denken, dass die Ewigkeit nie endet, bis der sich langsam aufhellende Himmel, die Zeit wieder freiließ und die Sonne sich wie jeden Morgen zeigt.

Die Sonne geht auf. Rotgold scheint sie durch den leicht zugezogenen Vorhang. Es war Morgen geworden. Die Tage glitten aneinernar über, ohne dass ich die anernde Abfolge einer auf- und untergehenden Sonne aufhalten konnte. Die Nächte waren die längsten. Kein Sternenhimmel, ein leicht erhellter Mond in einer stockfinsteren Nacht.

Verschlossen

Ich war es gewohnt, diese Welt in seinen zwei Teilen zu leben. Auf der einen Seite die Welt, wie ich sie täglich sehe und erlebe und auf der anderen Seite du, den ich wie ein Geheimnis hüte. Die Welten verschwimmen mittlerweile ineinander, was einst geheim war, entfaltete sich nun in meiner anderen Welt. Doch die Angst ist groß, dass nun der Zauber verschwindet. Für mich warst du immer ein Märchen, welches ich nur in meiner für mich erschaffenen Welt sah. Du warst nur dann dort, wenn ich es schaffte mich von der anderen Welt zu lösen. Hört dieses Märchen auf, wenn ich beide Welten aufgebe und sie zu eins werden? Ist diese Liebe nur Teil eines Märchens, was ich tief in mir erblühen ließ? Wirst du auch bei mir sein, wenn dieses Märchen endet und der Zauber verblasst ist?

Resonanz

Der schwarze Flügel war hinten im Raum. Durch die Sonnenstrahlen, die auf die schwarze Lackschicht schienen, glänzte der Flügel und warf seine Farbspiele im Raum umher. Er saß auf dem Sitz. Die Schultern erst hängend und dann immer aufrechter, legte er seinen Fuß auf die Pedale und nach einem tiefen Seufzer berührte er die Tasten seines Klaviers. Die Spannung war groß. Bald würde der ganze Raum mit dieser Musik erhallt werden. Langsam fing er an zu spielen. Die tiefen Töne der Mondscheinsonate drangen in mein Ohr.  Mit Präzesur und Leidenschaft war der Raum alsbald voll mit den Tönen, die er erschaffen hatte. Erfasst von solch einer Melancholie, dass langsam eine Träne an meiner Wange herunterrollte.

Licht

Tief in der Dunkelheit wandere ich umher. Ich frage mich, wie lange es schon so dunkel ist. So dunkel und einsam … Wer war es, der mir das Licht im Leben geraubt hat? Habe ich etwa Tag für Tag selber die einzelnen Kerzen, die in dieser Dunkelheit spärlich etwas Licht gaben, ausgepustet? Die Kraft, die diese Kerzen am Leben hielt, verschwand wohl mit der Zeit. Werde auch ich irgendwann wie diese Kerzen mein Licht verlieren? So einsam und völlig in der Dunkelheit, würde niemand bemerken, dass ich verschwinde.

Strand

Sie lief voraus. Er schaute ihr hinterher und folgte langsam ihren Schritten. Ihre Fußabdrücke waren leicht in den Sand graviert. Er versuchte ihre Schritte nachzuahmen. Ihre Haare wehten in der leichten Brise umher, bedeckten ihr Gesicht und ihre Tränen. Sie war nur eine Haaresbreite entfernt, dennoch traute er sich nicht, seinen Arm nach ihr auszustrecken. Eine Kluft war zwischen ihnen. Manchmal reißte einen das Leben so weit auseinander, dass nicht einmal Gefühle diese Kluft überwinden können. Ihm blieb nichts anderes übrig, als ihren Schritten zu folgen. Immer mit dem selben Abstand, während ihr Blick nach vorne gerichtet war und er sie stumm  von hinten beobachtete.

Trauer

Ich hatte schon ganz vergessen, dass es noch diesen Blog gibt … Ich freue mich sehr, dass trotz meiner Abwesenheit sich doch noch der ein oder andere auf meinem Blog verirren konnte.

Ich liege schon tief am Meeresboden. Um mich herum wird das Licht der Sonne gebrochen, dass dort weit oben auf mich und das Meer hinabblickt. Da ich noch so viel Licht sehen kann, bin ich wohl nicht so tief gesunden, wie ich dachte. Oder vielleicht hat mich die Zeit vergessen lassen, wie tief mich die weite des Meeres runtergezogen hat und das Licht nur noch Teil einer Erinnerung ist, die schon langsam verblasst. Vieles was mir wichtig ist, ist nur noch eine vage Erinnerung. Die Erinnerung an das mir kostbarste kann ich schon nicht einmal mehr heraufbeschwören. Aus diesem Grund ist es mir nur noch möglich, dich in den Träumen zu sehen. Mir wurde mal gesagt, dass die Seelen der Menschen sich in den Träumen wiederbegegnen. Das ist ein schöner Trost. Für jemanden, dessen Anlitz ich schon längst vergessen habe. Die Zeit und Sehnsucht hat dich in meinen Träumen neu erschaffen. Mir wäre es nicht einmal vergönnt, dich zu erkennen, falls du dich eines Tages in meine Meere begeben würdest. Zwischen Leben und Tod ist nur eine Linie. Vielleicht ist es diese eine Linie die uns trennt. Sag mir, bist du oder ich am Leben? Nach all dieser Zeit habe ich vergessen, was ich wirklich bin. Ich habe mich selbst verloren …