Rassismus und Vorurteile in Deutschland

Ich kenne viele Leute die in Deutschland auf Rassismus gestoßen sind. Ob dies nun an den sozialen Umfeldern der Personen lag, oder ob ich da einfach nur Glück hatte, weiß ich nicht. Ob eine Behandlung von Muslimen vor dem 11. September anders waren, weiß ich ebenso nicht. Dafür war ich damals einfach zu jung. Jedenfalls bin ich froh, dass ich in Deutschland ebenso Deutsch, wie auch Türkin sein kann. Aus meinem Freundeskreis kenne ich auch keinen, der wirklich vorurteilsbelastet ist. Höchstens deren Eltern oder Großeltern. Dennoch bin ich in meinem Leben immer wieder auf Vorurteile gestoßen.

Im Kindergarten hatte ich nie wirklich etwas bemerkt. Mich wiesen die Erzieherinnen zwar immer darauf hin, worin Schweinefleisch enthalten war und was ich nicht essen sollte, aber das wars auch schon. Vermutlich hatten die Erzieher großes Verständnis für Religion, weil sie zum großen Teil aus Nonnen bestanden.

Ja, ich bin in einem kirchlichen Kindergarten aufgewachsen und kann nicht bestätigen, dass dies irgendeine „negative“ Auswirkung auf mich hatte. Ich fand die Atmosphäre und die Schwestern dort sehr schön. Sie waren sehr liebevoll.

Auf dem Gymnasium bin ich immer wieder auf Vorurteile gestoßen. Meine ältere Schwester, die Kopftuch trug, war mit mir auf derselben Schule. Somit kam es gelegentlich vor, dass wir die selben Lehrer hatten. Anfang der 5. Klasse, an dem Wandertag, kam die begleitende Lehrerin zu mir und fragte mich, wieso ich kein Kopftuch trug. Ich weiß nicht, welche Antwort sie sich von einer 10 Jährigen erhofft hatte, aber ich sagte lediglich, dass ich keins tragen möchte. Vielleicht später einmal, aber dass wüsste ich noch nicht. Daraufhin entgegenete meine Lehrerin, dass das doch komisch sei, schließlich würde meine ältere Schwester eins tragen und fragte nach, ob ich mir das aussuchen dürfe. Ich kann mich noch sehr gut an diesen Gespräch erinnern, obwohl das Jahre her ist, weil es mir so unangenehm war, mit so einer Situation konfrontiert worden zu sein. Zumal ich damals auch sehr schüchtern war. Meine Antwort lautete: „Ja, ich darfs mir aussuchen.“

Es war nicht die einzige Lehrerin der dies so auffiel. Über die Jahre wurde ich öfters auf diesen Thema angesprochen und hatte mich an das Vorurteil der Menschen gewöhnt: „Man wird gezwungen Kopftuch zu tragen. Es ist nichts Individuelles und Freiwilliges.“

In der 9. Klasse hatte ich mein Auge mal an einen Tisch angeschlagen, wodurch ich ein blaues Auge bekam. Ich verdeckte dies mit meinem Pony und etwas Schminke. Anscheinend gab es dennoch genug Lehrer denen dies auffiel und die mich zur Seite gezogen hatten um mich zu fragen, ob mit meiner Familie den alles okay sei und ob es mir gut gehen würde. Als ich daraufhin den Grund für mein blaues Auge erzählte, wollte mir dies keiner so recht glauben. Ob man dies jetzt darauf beziehen kann, dass türkische Eltern ja öfters handgreiflich wären oder die Lehrer einfach nur besorgt waren, weiß ich nicht. Es könnte beides sein.

Seit der 6. Klasse besuchte ich die Theater- AG. Leider sollte es, als ich in der 8. Klasse war, zu einer Aufsplittung kommen. Die Oberstufe sollte ein anspruchvolleres Stück spielen dürfen. Den 8- Klässlern wurde die Entscheidung überlassen, ob sie darin mitspielen wollen. Es wurde darauf hingewiesen, dass das Stück „Frühlingserwachen“ gespielt werden soll und darin Vergewaltigungs- Abtreibungs-, sowie eine Szene, wo Jungs um die Wette oranieren, beinhalten wird. Nur mit der Erlaubnis der Eltern durften auch Mittelstüfler an diesem Stück teilnehmen. Mir war der Gedanke unangenehm an einem solchen Stück teilzuhaben, da ich auch nicht wusste, welche Rolle ich letzlich kriegen würde. Ich erzählte dies meinen Schwestern und fragte diese um Rat. Ich entschied mich letzlich gegen das Stück und teilte dies der Theaterleiterin mit. Am Ende wurden all diese Szenen entweder gestrichen oder nur angedeutet, da man diese Szenen nicht hätte anders darstellen können, sodass diese Entscheidung unnötig war. Trotz allem erzählte die Leiterin, dass ich aus dem Stück ausgetreten sei, weil meine muslimischen Eltern mir untersagt hätten, darin mitzuspielen.

In meiner weiteren Schullaufbahn ist mir aufgefallen, dass ich entweder mal darauf angesprochen wurde, was zu tun sei, weil eine 13- Jährige türkisch-stämmige Schülerin mit einem Jungen geknutscht habe und man die Eltern nicht lieber benachrichtigen solle oder warum diese oder jene Person nun Kopftuch trage, und ob sie gezwungen wurden dazu.

Manche Lehrer hielten wohl irgendwann meine Familie wohl für tolerant, da sie es so komisch fanden, dass von 4 Mädchen der Familie nur eine Kopftuch trug. Vielleicht hielten sie auch nur meine eine Schwester rückwärts gewandt. Wer weiß.

In der Oberstufe wurde ich oft gesagt, dass ich ja eine moderne Muslima sei und sehr weltoffen. ( Ja, für viele war das etwas sehr Verwunderliches. Obwohl sie wahrscheinlich kaum anderen Kontakt zu Muslimas pflegten.)

Ich bin wenigstens froh, dass ich einigen Leuten ihre Vorurteile nehmen konnte. Es ist dennoch traurig, dass so viele, teilweise auch gebildete Leute, so wenig über andere Kulturen und den Islam wissen und die Vorurteile die sie aufschnappen für allgemeingültig erklären.

Von dem Begriff Toleranz halte ich nicht viel. Ich verlange Akzeptanz miteinander. Denn nur das sorgt für ein friedliches Miteinander. Und um unsere Mitbürger akzeptieren zu können, müssen wir sie kennenlernen und sie verstehen. Der Rest ergibt sich dann -hoffentlich – schon von selbst …

Egal ob man einer anderen Rasse, einer anderen Religion, einer anderen Weltanschauung, oder einem anderen Geschlecht angehört, es liegt in unserer Hand, ob diese Unterschiede eine, friedlichen Beisammenleben entgegenstehen.

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Ein Gedanke zu „Rassismus und Vorurteile in Deutschland

  1. Pingback: Zwischen Religionsfreiheit und Bildung | ayamesblog

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