Kein Spenderherz für Muhammet Eren

Vor ca. einem 3/4 Jahr fragte mich eine Verwandtin, ob ich ihr bei einer Aktion behilflich sein könne. Hierbei handele es sich um einen kleinen Jungen, der aus der Türkei hierher kam um ein Spenderherz zu kriegen, die Familie aber die finanziellen Mittel noch nicht zu Verfügung hatte. In einer Stadthalle wurde ein großes Fest organisiert und der komplette Erlös wurde dem Jungen gespendet. Mit viel Herzblut hatten wir eine große Summe zusammenbekommen. Jetzt kriege ich mit, dass diesem Jungen sein Spenderherz verweigert wurde. Und zwar aus folgendem Grund: Da ihm ohne die voll erstatten Kosten der Eintragung in die Spendeliste eine Einreise in Deutschland nicht erlaubt war, erlitt er kurz vor seine Reise in der Türkei bei einem Anschlag Schäden die sein Hirn beeinträchtigt hatten. Als Folge hieß es in Deutschland, dass Muahmmet Eren behindert ist, und dieser Hirnschaden zu einem Ausschluss eines Spendeorgans führt. Er dürfe sich nicht einmal auf die Warteliste eintragen. Juristisch sowie mit meinem Gewissen betrachtet finde ich eine solce gsetzliche Regelung nicht zumutbar. Art. 1 GG schützt die Menschenwürde aller. Im Dritten Reich wurden mehrfach Verbechen gegenüber Behinderte begangen und dies sollte eine Lehre für uns heute sein. Das Leben eines Kindes lag in den Händen der Ärzte. Diese weigerten jeglichen Eingriff, obwohl eine gerichtliche Entscheidung im Nachinein eine Transplantation in Aussicht stellte. Nur war kein Krankenhaus bereit, diese Transplantation durchzuführen. Das Kind blieb Monate an den Geräten, während die Eltern auf juristischem Weg versuchten ihr Kind zu retten. Nachdem sich dieses Wochenende der Zustand plötzlich verschlimmerte, kehrte die Familie wieder zurück.

Dieser Fall sorgte für viel Aufruhr in den Medien, welches ich nachvollziehen kann. Mir selbst war zuvor nicht bewusst, dass es eine solche Regelung gab. Ich verstehe, dass Menschen ein Organ verwehrt wird, die kaum zu Leben haben, wobei auch dies moralisch verwerflich ist, aber bei den wenigen Spendeorganen die einzig mögliche denkbare Lösung. Aber zu behaupten, dass ein behindertes Kind kein Organ zusteht, aufgrund seiner Behinderung schätzt das Wert seines Lebens in medizinischem Sinn geringer. Es ist ein rein utilitarischtisches Denken, welches ich überhaupt nicht befürworten kann. Jedem Menschen müssen die selben Rechte zustehen. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass es mehr Spenderorgane gibt, daher freue ich mich umso mehr, als die Familie Muhammet Erens verkündet hat, dass sie alle ihre Organe auf jeden Fall spenden werden. Im juristischen Sinne hoffe ich auf eine baldige Gesetzesänderung. Dieses Thema hat für Aufruhr gesorgt und es sollte weiterhin diskutiert werden. Ein Mensch darf einem anderen kein Herz verweigern aufgrund seiner Eigenschaften oder körperlichen Beschränkungen!

Der Familie von Muhamemt Eren wünsche ich viel Kraft. Sie haben für ihr Kind gekämpft, obwohl es aussichtslos schien.

Update 2


Die Eltern von Muhammet Eren haben seine Organe gespendet und dadurch großes Aufsehen erregt. Dass in der Türkei nahe zu keiner Organe spendet, war auch der Grund, weshalb eine Transplantation für Muhammet Eren in Deutschland stattfinden sollte. Eine Familie spendete kürzlich nach dem Tod ihres Kindes die Organe und rettete dadurch 3 Menschen das Leben!

Quelle: http://dtj-online.de/organspende-turkei-niere-leber-transplantation-muhammet-eren-41979

Update


Der kleine Muhammet Eren verstarb heute, am 12. 11. 14. Möge er in Frieden ruhen. Allah soll seiner Familie viel Kraft geben.

Hier ein aktueller Artikel über Muhammet Eren:
http://www.n-tv.de/panorama/Zweijaehriger-Muhammet-stirbt-article13933776.html

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12 Gedanken zu „Kein Spenderherz für Muhammet Eren

  1. Hallo Allyayame
    Es ist ganz sicher ein tragischer und trauriger Fall. Aber ich möchte doch etwas anmerken. Muhammets Gehirn wurde durch den Kreislaufzusammenbruch (von einem Anschlag habe ich noch nirgends gelesen) kurz vor der Einreise irreversible geschädigt; das bedeutet, er wäre niemals wieder gesund geworden. Ich habe aus den Berichten in verschiedenen Zeitungen herausgelesen, dass die Hirnschädigung so schwer war, dass er kein „Leben“ geführt hätte. Niemals. Nur ein Warten auf den Tod.
    Du hast die Menschenwürde angesprochen. Und da bin ich der Meinung: Sterben dürfen, wenn man nicht leben kann, gehört auch zur Menschenwürde.
    Als Eltern kann man den Kampf nicht aufgeben. Könnte ich auch nicht. Sein geliebtes Kind zu verlieren, muß die Hölle sein (ich habe selber 3 Kinder).
    Doch den Ärzten zu unterstellen, sie würden Behinderte als minderwertig ansehen und wollten ihnen deswegen nicht helfen, wird ihrer Leistung nicht gerecht. Ich bin mir sicher, dass sich die Ärzte diese Entscheidung nicht leicht gemacht haben.
    Ganz liebe Grüße zum Wochenende von der Schlafmütze

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    • Hallo Schlafmuetze!
      Was die Sache angeht, dass er das nie überleben würde … da bin ich mir gar nicht sicher ob das stimmt, da ich das nur mal flüchtig gelesen hatte und soweit ich weiß, das Problem der Debatte die Behinderung Muhammet Erens war. Sehr interessant finde ich, dass du erwähnst, dassa auch nicht leben wollen zur Menschenwürde gehört. Wahrscheinlich hast du in diesem Fall recht. Der Junge hat sehr gelitten, in seinen letzten Tagen. Möge er jetzt in Frieden ruhen. Es ist dennoch rechtlich streitig, inwieweit ein Mensch über seinen Körper und sein Leben mitbestimmen darf. Schließlich ist die Sterbehilfe aus diesem Grund verboten. Ich habe keine Kinder, aber ich denke diesen Schmerz kann ich etwas nachempfinden. Ich hoffe diese Debatte bewirkt rechtlich, dass Behinderte Menschen keinen Nachteil gegenüber anderen haben. Sicher ist den Ärzten diese Entscheidung nicht leicht gefallen, dennoch ist nicht alles was Ärzte tun richtig.

      Ein schönes Wochenende dir 🙂

      LG

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  2. Hallo Allyayame 🙂
    Ich hatte die Debatte so verstanden, dass es darum ging, dass sein Gehirn so sehr geschädigt ist, dass man sein weiteres Leben nicht mehr als „Leben“ sondern nur noch als „Dahindämmern“ beschreiben könnte; ohne Hoffnung auf Verbesserung. Eine sehr traurige Entwicklung.

    Als ich schrieb: „Sterben dürfen, wenn man nicht leben kann, gehört auch zur Menschenwürde.“ meinte ich damit keinesfalls die aktuelle Debatte um Sterbehilfe. Und der kleine Kerl war ja auch zu jung, um dazu eine Meinung zu haben.
    Ich plädiere vielmehr dafür, dass man kein Leben um jeden Preis retten darf und soll. In den meisten Fällen betrifft es ganz alte Menschen, die ins Krankenhaus kommen, 5 x wiederbelebt werden um dann an Schläuchen und Geräten hängend ihr Dasein bis zum Tod zu fristen. Das ist würdelos. Jeder Mensch hat auch ein Recht auf einen würdevollen Tod.
    Ich habe die Berichte über Muhammet so verstanden, dass genau so ein Leben ihn erwartet hätte. Vielleicht nicht an Geräten hängend, aber unfähig selber zu agieren.

    Der Sterbehilfe stehe ich teilweise kritisch gegenüber. Ich bin nicht unbedingt dafür, verstehe aber auch den Wunsch einiger sterbenskranker Menschen, die wirklich leiden. Wenn man weiß, dass bei bestimmten Krankheiten ein Erstickungstod droht … wer will das erleben, wenn er eine andere Entscheidung treffen kann?
    Leider besteht immer die Gefahr, dass damit Geschäfte gemacht werden. Und das muß dringend verboten sein. Ebenso sollte sie bei Kindern verboten sein.
    Ich wünsche dir einen schönen Restsonntag
    die Schlafmütze 😉

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    • hallo schlafmuetze,

      ich bin echt froh, dass du mal zu meinem Blog gefunden hast. Ich finde deine Kommantare sehr interessant und sie regen mich lange zum Denken an.
      Ein Dahindämmern hätte ich diesem Kind nie zugemutet, aber wie gesagt, die Medien berichteten über dieses Thema kontrovers. Ich verfolge unter anderem die Facebooktseite des kleinen Jungen Muhammet Eren (https://www.facebook.com/muhammeterenicinelele?fref=ts) und dort wurde lediglich berichtet, dass er eine Behinderung haben würde, aber dennoch lebensfähig ist. Und genau das war es, was ich so scharf kritisiert habe. Eine Einschränkung der Organspende im Falle eines restliches Lebens an Geräten, kann ich aber sehr gut nachvollziehen. Ich muss ehrlich sagen, ich wünsche mir einen Tod, bevor ich einen Zustand erreiche der fern von „Leben“ ist. Kurz vor dem Tod meines Großvaters wurde meine Familie die Frage gestellt, ob er an Geräten weiterleben soll, oder die Ärzte den Stecker ziehen sollen. Ich bin durchaus froh gewesen, dass meine Familie diese Entscheidung nicht treffen musste und mein Großvater ein Tag nach dieser Frage verstarb. Für Angehörige ist das ein sehr erschütterndes Ereignis … Den Vater immer nur an Geräten tagtäglich zu sehen … Das ist sicher nichts, was ich erleben möchte.

      Der Sterbehilfe stehe ich übrigens ebenso kritisch gegenüber.
      Auch wenn ich sehr gut nachvollziehe, dass Menschen frei über ihr Leben entscheiden möchten, weiß man nie, ob ein solches Gesetz nicht letzlich dafür führt, dass der Mensch sich durch die Gesellschaft dazu gezwungen fühlt, seinem Leben doch noch ein Ende zu bereiten.

      Die Sache mit Muhammet Eren hat letzlich doch ein schönes Ende gefunden. Seine Organe, die nach seinem Tod gespendet wurden, haben weitere Eltern angeregt, woraufhin 3 Kindern das Leben gerettet wurde. (Quelle:http://dtj-online.de/organspende-turkei-niere-leber-transplantation-muhammet-eren-41979)

      LG 🙂

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      • Hallo Allyayame,

        es waren nicht Erens Organe, sondern die eines 5 jährigen Jungen namens Yiğit aus der Türkei. Es steht auch so im Artikel.

        Und ich verfolge ebenfalls die FacebookSeite. Ich bin medizinisch nicht so versiert, aber die Bilder zeigen etwas anderes als Dahindämmern. Zudem hat sich Eren entgegen der Erwartungen der Ärzte erholt und konnte u.a. selbständig atmen, sehen.

        Erens Schicksal hat uns alle wach gerüttelt und eine kontroverse Diskussion eröffnet, die wir uns stellen müssen und werden. Nicht nur die Bereitschaft zur Organspende, sondern auch die Regelungen der Transplantationsbedingungen steht zum Diskurs.

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    • Hallo Allyayame und Niccy
      Von der Facebookseite wußte ich gar nicht. Hab mich jetzt da einmal durchgescrollt. Leider sind nur wenige deutsche Beiträge zu lesen, darum kann ich mir schlecht eine richtige Einschätzung der Gesamtsituation für mich vorstellen.
      Der arme, kleine Kerl, und so ein niedlicher. Es ist sehr traurig, dass er schon so früh diese Welt verlassen mußte.
      Zeit seines Lebens war er im Krankenhaus.
      Die Bildern sagen leider wenig über seine Gesundheit aus. Nach dem Herzinfarkt war er – laut Facebookeintrag – gelähmt, blind und taub und wurde zudem künstlich beatmet und durch ein künstliches Herz am Leben erhalten.
      Der Zustand verbesserte sich offensichtlich dahingehend, dass er auf seine Eltern reagierte und einen Arm und ein Bein bewegen konnte. Auch atmete er wieder selbstständig. Verständlich, dass seine Eltern Hoffnung schöpften.
      Die Photos können darüber natürlich nichts aussagen. Zudem sind sie zu unterschiedlichen Zeiten und nicht in Reihenfolge veröffentlicht worden. Man sieht es an der Narbe auf dem Brustkorb, die mal verheilt, mal ganz frisch und manchmal nicht sichtbar ist.
      Es wäre auch nicht im Interesse der Eltern, solche Photos zu zeigen, in denen er „dahindämmert“ – wenn es denn so war (ich weiß es nicht, hatte nur Zeitungsberichte so gedeutet). Sie wollten schließlich sein Leben retten. Sie haben alles Recht der Welt für das Leben ihres Sohnes zu kämpfen und darum bin ich nicht die Richtige, das zu be(ver)urteilen.
      Ganz sicher ist es eine gute Sache, dass darüber gesprochen wird – werden muß – ob die Richtlinien neu überdacht werden sollten.
      Ich habe auch gelesen, dass die Eltern seine Organe spenden wollten. Leider waren sie nicht geeignet.
      Aber sein Schicksal machte – und macht immer noch – andere Menschen auf die Wichtigkeit von Organspenden (sowohl in der Türkei, als auch bei uns) aufmerksam. So hatte sein kurzes, schweres Leben vielleicht einen Sinn.
      Ganz liebe Grüße

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  3. Hallo schlafmuetze und niccy,
    ich behaupte nichts Gegenteiliges auf meinem Blogartikel … Ich nur beim Release etwas missverständliches geschrieben, dies aber gleich ausgebessert, sodass du es gar nicht gelesen hättest … Na ja, jetzt stimmt’s jedenfalls 😀
    Ich sehe auf den Bildern auch viel mehr als ein Dahindämmern. Außerdem wurden im Gericht Videos von Muhammet Eren eingereicht, die eine Besserung seines Zustands zeigten und teilweise auch gegenteiliges bewiesen.

    Die Facebookseite, welche durch die Eltern führen enthält unter dem türkischen Beitrag meist auch die deutsche Übersetzung. Man müsste nur auf „weiter lesen“ klicken. Wobei die aktuellsten Beiträge, nicht oft übersetzt wurden, da dies Dolmetscher vornahmen und in dem geistiges Zustand der Eltern, wohl nicht erwartet werden kann, dass sie weiterhin diese Seite pflegen in diversen Sprachen.
    Die Tatsache, dass teilweise auch ältere Fotos gepostet wurden stimmt, aber vor allem Videos zeigten seinen aktuellen Zustand in den jeweiligen Zeitphasen.

    Mich macht es persönlich sehr glücklich, dass dieses Ereignis viele Menschen bezüglich der Organspende zum Nachdenken anregt und hoffentlich die Anzahl der Spenderorgane steigen wird.

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    • Hallo,

      mich hat Erens Schicksal sehr stark bewegt, unendlich im Herzen berührt, auch wenn ich ihn persönlich nicht kannte. Seit etwa 10 Jahren habe ich mich mit der Entscheidung gerungen, meine Organe zu spenden. Ein erster Schritt für mich war die Registrierung bei DKMS. Es gibt doch nichts Erfüllenderes, zumindest für mich, selbst der Grdanke bzw die Option darauf, einem anderen Menschen das Leben zu retten. Der Skandal um manipulierte tTansplantionslisten hat.mich dennoch abgeschreckt. Seit meiner Kenntnis von Erens Leid und Schicksal besitze ich einen Organspendeausweis. Und ich wünsche mir, dass mehr Menschen so handeln und dem Appell von Erens Eltern ( und auch den Eltern anderer kranker Kinder, die hier nicht außer Acht gelassen dürfen ) folgen.

      Benim küçük şirin meleğim 💖 💖 💖 kalbım ağriyor.günden güne. Senin unutmuyor😢😢😢. Huzur oçin yatsın, canım. 😙😙😙

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      • Sorry für meine Tippfehler.
        Benim küçük şirin meleğim 💖 💖 💖. Kalbım ağliyor . Günden güne. Huzur için yatsın canım😔 senin unutmuyor.

        Ich hoffe, es ist soweit richtig geschrieben. Mein Türkisch ist eingerostet.

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  4. Tut mir leid für die späte Antwort… Irgendwie ging dein Kommentar wohl unter.
    Es freut mich sehr, dass Eren etwas bei dir verändern konnte. Wir alle sollten an diesem Kind festhalten und überdenken, was es heißt sein Organ zu spenden, oder dies nicht zu tun.
    Irgendwie lebt man ja in einer anderen Person weiter oder verhilft ihm zum Leben. Das ist etwas sehr schönes 🙂

    Freue mich, dass du durch Muhammet Eren zu meinem Blog gefunden und deine Gedanken mit mir ausgetauscht hast.

    Liebe Grüße! 🙂

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